Es darf eine Schreibe mehr sein

Tim am Montag, den 31. Oktober 2011

Einfallslosigkeit im Blätterwald: Die universelle Wurst-Überschrift

Via: Frankfurter Allgemeine, WELT, ZEIT,  Berliner Zeitung, tazSpiegel Online, Süddeutsche Zeitung, SternAugsburger Allgemeine, BILD, ExpressDer Tagesspiegel, Rheinische Post, Neue Westfälische, Hamburger Abendblatt, Badische Zeitung, Frankfurter Rundschau, uvm.

So, jetzt muss ich hier aber wirklich mal den Niggemeier machen. Tag für Tag machen sich nämlich redliche Metzgersleute in ganz Deutschland mit all ihrer Liebe ans Werk, bei Innung und Kundschaft gleichermaßen mit alleredelsten Wurstwaren zu glänzen. Und dann gibt es da noch die feinen Herren Journalisten, die sich am späten Vormittag trantütig aus den Federn hieven, um ihrem trostlosen Tagwerk nachzugehen und nach eigenem Gutdünken über die Leistungen Anderer zu berichten.

Wenn nun ein Journalist seinem Auftragszettel entnimmt, dass er abermals darüber zu berichten habe, wie beim Fußball eine Mannschaft gegen eine andere Mannschaft gewonnen hat, ist er auf einen Schlag hellwach. Urplötzlich bricht kreative Geschäftigkeit aus und der Reporter schwingt sich zu sprachlichen Höchstleistungen auf. Da wird dann pomadig Beton angerührt und humorlos gegen den Ball gearbeitet, dass es eine rechte Art hat.

Soll der Schreiber sich aber einem Thema widmen, das auch nur im Entferntesten mit Wurst zu tun hat, legt er sich erstmal wieder hin. Denn den schwierigsten Teil seines Textes, die Überschrift, hat er bereits im Sack. Schließlich klingen ihm die Worte seines Publizistikprofessors noch deutlich im Ohr: „Bei Texten, die längliche Fleischerzeugnisse thematisieren, ist in jedem Fall die Standard-Überschrift «Es geht um die Wurst» zu verwenden. Dieser Gebrauch einer redensartlichen Metapher im Wortsinne ist absolut tongue-in-cheek und twinkle-in-the-eye und deshalb die bestmögliche Headline. Versuchen Sie erst gar nicht, eine bessere zu finden. Im Übrigen könnten Sie sich damit auch strafbar machen, denn in vielen Bundesländern ist der Einsatz dieser Überschrift mittlerweile gesetzlich vorgeschrieben.“

Wurstblog prangert diese Praxis an! Die bereits erwähnten redlichen Menschen des goldenen Fleischerhandwerks verdienen nun wirklich etwas besseres, als mit journalistischem Einheitsbrei abgespeist zu werden. Eine bessere Überschrift ist möglich! Ich glaube fest daran und möchte deshalb den letzten rebellischen Redakteuren des Landes folgende spontane Beispiele ermutigend an die Hand geben:

ZWISCHEN ALLEN ZIPFELN IST KUH.
Nicht nur am Main wird die Frankfurter Rindswurst immer polpulärer.

RÄUBER UND GENDARM.
Wie kriminelle Wurstfabrikanten mit manipuliertem Erbgut experimentieren.

HÄSCHEN IN DIE GROBE.
Wildbratwurst von Bernd Fleischer gewinnt internationale Auszeichnung.

LEBER LIEBER UNGEWÖHNLICH.
Apfel, Chili, Ingwer – wie die Leberwurst ein Comeback schaffen will.

DIE NÜRNBERGERPROZESSE.
EU-Gerichtshof überprüft Herkunftsbezeichungen von Wurstspezialitäten.

 

Ferien hinter der Telefonsäule

Tim am Montag, den 22. August 2011

Bin zurück aus dem Urlaub. Und hier wie jedes Jahr ein kleines wurstoides Mitbringsel – diesmal jedoch kein Foto, sondern eine Audiodatei.

Radio-Spot „Curry N°1“ (Lanzarote)

Reisen bildet eben. Und so habe ich gelernt: Auf dem deutschsprachigen Sender Radio Atlantis wird auf Lanzarote mehrmals täglich auf Witzberlinerisch eine Wurstbude hinter einer Telefonsäule angepriesen. Ich kann den Spot inzwischen auswendig aufsagen – extra für euch habe ich ihn aber einmal mitgeschnitten.

Flattr*

Tim am Dienstag, den 15. Juni 2010

flattr - mit Wurst erklärt

Da eine meiner Lieblingssportarten das späte Aufspringen auf Züge ist, mach ich das jetzt auch mit diesem Flattr. Jetzt muss ich nur noch mal eben erklären, was das  ist – und fertig ist der obligatorische „Ich bin jetzt auch bei Flattr und erklär noch mal eben, was das ist“-Artikel. Erstmal die Kurzformel: Flattr ist eine Art freiwilliges Entlohnungs-System für Content-Schaffende im Netz. OK, jetzt fehlt nur noch der legitimierende Link zu Niggemeier und die super-anschauliche Alltags-Metapher und dann haben wir’s auch schon.

Also: Nehmen wir an, ich kaufe jeden Monat eine Wurst – und zwar mit der Absicht, diese zu verschenken. Ich Guter. Die Größe der Wurst bestimme ich selbst. Nun lege ich die Wurst erstmal bis zum Monatsende in die Vorratskammer. (Ja, es ist eine Dauerwurst.) Dann schaue ich mich den ganzen Monat im Netz um, und immer wenn mir etwas gefällt, verspreche ich dem Schöpfer als Anerkennung eine Scheibe von meiner schönen Wurst. Am Monatsende wird dann aufgeteilt. Je mehr Dinge mir gefallen haben, desto dünner werden natürlich die Scheiben. Aber das ist nicht so schlimm, denn jetzt kommt’s: Alle anderen haben auch Würste. Hallelujah!

Natürlich hat das Konzept auch einige offensichtliche  Schwächen, aber immerhin ist es ein Anfang, wenn nicht gar für eine Art von Medien-Flatrate, und ich möchte es deshalb mal damit versuchen. Und wenn ich irgendwann doch nicht mehr mag, dann lasse ich es einfach wieder, schreibe den obligatorischen „Warum ich bei Flattr raus bin“-Artikel und freue mich auf die „Hab ich doch gleich gesagt“-Kommentare.

*Bitte hier wahlweise eine Wortspiel-Headline einsetzen: Flattrwochen, Flattrlinge im Bauch, Leichenflattrei, Flattr wird’s nicht, Flattrmaus, Flattrliners, Wenn der wilde Flattr wieder blüht, Ich mach den Flattrmann, Nervenflattrn, Flattrvorhersage, It’s getting flattr all the time, Flattr und der Wolf, Flattrs from Iwo Jima, Robbi Tobbi und das Flattrtüt. Oder ähnliche.

Ein Spargel der Gesellschaft

Tim am Samstag, den 29. Mai 2010

Lecker: Spargel mit Wurst (Serviervorschlag)

Spargel ist das wohl nervigste Gemüse der Welt. „Rabääh!“ werden jetzt einige rufen, „Spargel ist doch strenggenommen gar kein Gemüse.“ Und genau das meine ich.

Ich esse Spargel durchaus gerne. Jedoch ist er heutzutage nicht mehr hauptsächlich ein Nahrunsmittel, sondern in erster Linie ein Thema. Schon Mitte Februar halten es die Medien nicht mehr aus und eröffnen die „Spargelwochen“. In den unzähligen TV-Kochshows wird ab sofort nichts anderes mehr zubereitet und die Zeitschriften versprechen auf ihren Titelblättern „10 Dinge über Spargel, die Sie noch nicht wissen.“ Was natürlich gelogen ist, weil man ja mittlerweile alles, wirklich alles über Spargel weiß.

Im Supermärkt setzt sich der Spargelwahn fort: Auf nahezu allen Artikeln, vom Harzer Käse bis hin zum Putzschwamm, prangt ein deutlicher Hinweis, wie vorzüglich dieses Produkt doch zu Spargel passe. Nur bei Wurst habe ich so eine Empfehlung noch nie gesehen. Was mit dem obigen Bild hiermit nachgeholt ist.
Zum Abschluss vielleicht dann noch ein kleiner Vers, der mir beim Verfassen neuer Wurstschüttelreime eingefallen ist. Leider hat er nichts mit Wurst zu tun, aber hier passt er (vermeintlich) ganz gut:

Menschen, die an Haargel sparen
erkennt man an der Spargel-Haaren.

Wurstblog in den Medien

Tim am Mittwoch, den 14. April 2010

Wurst ist in aller Munde. Mit dieser schaurig staubigen Formulierung aus der Klamottenkiste mittelständischer Sommerfest-Rethorik möchte ich diesen Text über neue und alte Medien eröffnen. Warum auch immer. Neue Medien – dazu zählt mancher noch heute das Internet, also das Trägermedium dieses Blogs. Und der hat in der letzten Zeit ein wenig Aufmerksamkeit durch die klassischen Medien erfahren. Anlass genug für einen kleinen Vergleich. Gezählt werden die mutmaßlich aus der Nennung resultierenden Besucherzahlen.

Die (zugegeben beiläufige) Erwähnung in einem (zugegeben marginalen) Artikel in der Süddeutschen Zeitung brachte zumindest überhaupt keinen erkennbaren Anstieg der Nutzerzahlen. Print verliert. War klar. Erfolgreicher war da schon das Radio. Die Nennung in diesem hübschen Wurst-Beitrag im Deutschlandradio brachte am Tag der Ausstrahlung immerhin geschätze 200 Zugriffe:

Wurst im Radio – Deutschlandradio Neonlicht

Klarer Sieger im großen Vergleichstest der Medien ist jedoch das Feature beim Internet-TV Ehrensenf, das dem Wurstblog in den ersten Tagen ca. 1500 zusätzliche Besucher bescherte. Fazit also: Epic win for teh interwebz!!!1 Ja, natürlich ist die Erhebungsmethode unwissenschaftlich, ungenau und unfair, und man könnte jetzt wieder mit den Äpfeln und Birnen anfangen, aber – come on – dies hier ist ein Blog über Wurst. Und zumindest interessant ist es doch, oder? Na ja, stimmt: Geht so. OK, dann mal zurück zum Kernthema.

Jetzt gibt’s Beef!

Tim am Mittwoch, den 21. Oktober 2009

Beef

Da liegt es, an der Tankstellenkasse: Ein Heft, auf dessen Titelseite riesenhaft rohes Fleisch prangt. Der Titel des Magazins lautet Beef!. „Ach, und das hier noch“, höre ich mein Rückenmark sagen. Gekauft.

Zuhause sehe ich genauer hin und gelange zu verschiedenen Erkenntnissen. Die erste: Ich habe gerade 10 Euro für eine Zeitschrift ausgegeben. Ziemlich schnell geht mir auch das Heftkonzept auf. Beef! hat erkannt, dass Männer heute nicht mehr nur mit technischen Gerätschaften oder edlen Eisenwaren protzen, sondern auch mit einer hochwertigen Küchenausstattung und fundierten Kenntnissen vom Umgang damit. Kurz: Beef! richtet sich an Männer, die gerne kochen. Wobei gerne nicht unbedingt gut heißen muss, solange die Zutaten erlesen, die Werkzeuge teuer und die Gerichte irgendwie männlich anmuten.
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Kau TV

Tim am Donnerstag, den 9. Oktober 2008

Curry 54

Auf dieser Seite von Kabel 1 kann man derzeit live und rund um die Uhr das Treiben an der Magdeburger Wurstbude Curry 54 beobachten. Da drängt natürlich eine Frage auf: Warum? Ehrlich gesagt: keine Ahnung, aber ich hab es heute mal getan. Und es ist irgendwie … entspannend. Dank zahlreicher Kameras und flächendecked installierter Mikrofone bekommt man alles mit: Dass Mandy ab morgen Diät macht, dass nebenan dieser eine Jeansladen ist, dass die Oma in Kassel wohnt und dass die Haus-Soße die beste ist.

Ganz normale Gespräche eben, wäre da nicht die Sache mit der Unschärferelation: Weil die Leutchen ja wissen, dass Kameras laufen, ist die Natürlichkeit oft verzerrt. Und so bevölkern den Imbiss neben hungrigen Normalmagdeburgern zunehmend auch aufgebrezelte junge Dinger, die sich als Investition in ihre Medienkarriere die wahrscheinlich erste Currywurst ihre Lebens teilen. So weit sind wir also schon: Wenn es mit den Castingshows nicht klappt, lässt man sich halt in der Frittenranch entdecken.

Schön, wenn die Kameras dann irgendwann wieder vergessen werden. Und das werden sie. „Hey, lass uns mal abhauen gleich.“ „Ja. Der will uns irgendwie flachlegen, glaub ich.“ „Boh, da kommt der wieder.“ Herrlich.