Traumberuf Wursttexter

Frikaschmecker

Ich führe innerlich eine kleine Liste von Traumjobs, die ich zu Lebzeiten noch erledigen will: Ich möchte einmal den Text zum  Seite-1-Mädchen der BILD verfassen,  ich möchte einen aktuellen Popsong für die Schlumpf-Hitparade umtexten und einen TV-Spot für „Kinder“-Produkte¹ schreiben. Mehr und mehr formt sich nun aber auch der Wunsch, bei der Firma Meica eine Wurst zu benennen und mich damit zwischen legendären Würsten wie Bratmaxe, Deutschländer, Bockhorster, Mini Wini, Torfstecher oder CurryKing einzureihen. Angesichts zweier neuer Produkte (siehe oben) scheint es mir auch, als würde einem bei Meica das Leben als Wursttexter nicht unnötig schwer gemacht.

Ich stelle mir das so vor: Der Seniorchef kommt mit hochrotem Kopf in mein Büro gestürmt. Morgen früh sollten zwei neue Würste in den Regalen liegen und sie hätten noch keinen Namen. Glatt vergessen! Er ist panisch. „Beruhigen Sie sich, Mann!“, herrsche ich ihn an und gebe ihm eine Ohrfeige. Zitternd trägt er sein Anliegen vor: „Wissen Sie, wir haben da so eine Wurst und … na ja … sie schmeckt auch kalt.“ Ich lächle dünn. Dann mache eine bedeutsame Geste und sage: „Sie soll Kaltschmecker heißen.“ Der Chef starrt ausdruckslos ins Leere. „Das ist genial“, flüstert er ungläubig. „Weiter“, dränge ich ihn, „wie ist das mit der anderen Wurst?“ „Nun ja … das ist eigentlich keine richtige Wurst. Eher so etwas wie eine lange Frikadelle.“ Ich strafe ihn mit meinem verächtlichsten Blick. „Ja, ich weiß“, sagt er kleinlaut, „das waren die aus dem Marketing.“ Ich lasse in eine Weile schmoren. Dann nehme ich ein Blatt Papier, schreibe ein Wort darauf und schiebe es zu ihm rüber. Zögernd greift er den Zettel und liest. Auf seinen Lippen bildet sich ein Lächeln, das sich schnell zu einer hysterischen Fratze verzerrt. „Frikadella. Das ist es. Frikadella! Sie sind … Sie sind der Größte! Wie kann ich Ihnen nur danken?“ „Es ist nur mein Job“, sage ich. „Und wenn Sie mich nun bitte entschuldigen würden, es gibt noch mehr Würste zu bennenen.“ Er nickt nur hastig, geht rückwärts zur Tür und verschwindet mit einer Verbeugung. „Kaltschmecker und Frikadella!“ höre ich ihn noch auf dem Flur gröhlen. Ja, so stelle ich es mir vor, mein Leben als Wursttexter.

¹ Vgl.: Milchjieper, Ohne Knubbel kann der Prof nicht denken, Snack im Handy-Format



7 Kommentare zu “Traumberuf Wursttexter”

  1. das_Produkt

    Oh Mann, wie wahr, wie wahr…

  2. rob

    he’lich…

    …schade eigentlich auch, dass da nicht auch auf das Holländische Original Bezug genommen wird – die gute alte „Frikandel“ (zusammen mit Pommes Speciaal hier: http://www.delekkerbek.nl/d/index_d.html „..mehr als eine pommesbude…“)
    A propos Frikandel: Sehr authentisch ähnlich schmecken die Plus Viva Vital Gemüse Frikadellen, die natürlich nur aus einem kleinen Anteil Gemüse bestehen….hatte mich beim Essen auch schon gewundert…

    http://www.plus.de/is-bin/INTERSHOP.enfinity/WFS/Plus-PlusDE-Site/de_DE/-/EUR/ViewCms-Content?Path=%2Fpages%2F59264

  3. rob

    noch ein Nachtrag: wenn das mal nicht das „mehr als eine Pommesbude“ auch in der Online-Kommunikation sowas von unterstreicht (Benchmark!!):

    http://www.delekkerbek.nl/360/Tourviewer_Lekkerbek.html

  4. Kathi

    „Und wenn Sie mich nun bitte entschuldigen würden, es gibt noch mehr Würste zu bennenen.“

    Muss ich mir merken.

  5. Tim

    Hallo Rob!
    Ja, die Frikandel, ein heikles Thema. Nicht Wurst, nicht Hack. Armes Holland. (Aber die Pommesbude ist mal voll Benchmark.) Auf die Gemüsedinger bin ich auch schon reingefallen. Ganz schön lecker für ohne Fleisch, dachte ich noch…

    Hallo Kathi!
    Ein Satz, der eine Situation retten oder zerstören kann.

    Epilog:

    Einen Moment später schiebt er noch einmal sein Gesicht zur Tür herein. „Ich hatte da so eine Idee. Äh, sollen wir vielleicht noch NEU drauf schreiben?“ Ich schicke ihm ein anerkennendes Strahlen durch den Raum. „Sehen Sie“, sage ich „deswegen sind Sie hier der Chef.“

  6. Peter

    Beim Thema Holland und Snackbar-Benchmarks kann ich anlegen: In Den Haag steht mitten im Ministeriumsbezirk ‚Die Freiheit‘. Zwei Knackis (!) haben die Snackbar als ihr eigenes Bewährungs-Programm gegründet. Wenn Ihr in den Haag seid: Geht hin. Alle anderen waren schon da.

    http://www.flickr.com/photos/30656190@N05/2984346387/

  7. Ju

    „Beruhigen Sie sich, Mann!“, herrsche ich ihn an und gebe ihm eine Ohrfeige.

    Großartig. Vorallem im Zusammenhang mit der Tätigkeit.

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