Es darf eine Schreibe mehr sein

Einfallslosigkeit im Blätterwald: Die universelle Wurst-Überschrift

Via: Frankfurter Allgemeine, WELT, ZEIT,  Berliner Zeitung, tazSpiegel Online, Süddeutsche Zeitung, SternAugsburger Allgemeine, BILD, ExpressDer Tagesspiegel, Rheinische Post, Neue Westfälische, Hamburger Abendblatt, Badische Zeitung, Frankfurter Rundschau, uvm.

So, jetzt muss ich hier aber wirklich mal den Niggemeier machen. Tag für Tag machen sich nämlich redliche Metzgersleute in ganz Deutschland mit all ihrer Liebe ans Werk, bei Innung und Kundschaft gleichermaßen mit alleredelsten Wurstwaren zu glänzen. Und dann gibt es da noch die feinen Herren Journalisten, die sich am späten Vormittag trantütig aus den Federn hieven, um ihrem trostlosen Tagwerk nachzugehen und nach eigenem Gutdünken über die Leistungen Anderer zu berichten.

Wenn nun ein Journalist seinem Auftragszettel entnimmt, dass er abermals darüber zu berichten habe, wie beim Fußball eine Mannschaft gegen eine andere Mannschaft gewonnen hat, ist er auf einen Schlag hellwach. Urplötzlich bricht kreative Geschäftigkeit aus und der Reporter schwingt sich zu sprachlichen Höchstleistungen auf. Da wird dann pomadig Beton angerührt und humorlos gegen den Ball gearbeitet, dass es eine rechte Art hat.

Soll der Schreiber sich aber einem Thema widmen, das auch nur im Entferntesten mit Wurst zu tun hat, legt er sich erstmal wieder hin. Denn den schwierigsten Teil seines Textes, die Überschrift, hat er bereits im Sack. Schließlich klingen ihm die Worte seines Publizistikprofessors noch deutlich im Ohr: „Bei Texten, die längliche Fleischerzeugnisse thematisieren, ist in jedem Fall die Standard-Überschrift «Es geht um die Wurst» zu verwenden. Dieser Gebrauch einer redensartlichen Metapher im Wortsinne ist absolut tongue-in-cheek und twinkle-in-the-eye und deshalb die bestmögliche Headline. Versuchen Sie erst gar nicht, eine bessere zu finden. Im Übrigen könnten Sie sich damit auch strafbar machen, denn in vielen Bundesländern ist der Einsatz dieser Überschrift mittlerweile gesetzlich vorgeschrieben.“

Wurstblog prangert diese Praxis an! Die bereits erwähnten redlichen Menschen des goldenen Fleischerhandwerks verdienen nun wirklich etwas besseres, als mit journalistischem Einheitsbrei abgespeist zu werden. Eine bessere Überschrift ist möglich! Ich glaube fest daran und möchte deshalb den letzten rebellischen Redakteuren des Landes folgende spontane Beispiele ermutigend an die Hand geben:

ZWISCHEN ALLEN ZIPFELN IST KUH.
Nicht nur am Main wird die Frankfurter Rindswurst immer polpulärer.

RÄUBER UND GENDARM.
Wie kriminelle Wurstfabrikanten mit manipuliertem Erbgut experimentieren.

HÄSCHEN IN DIE GROBE.
Wildbratwurst von Bernd Fleischer gewinnt internationale Auszeichnung.

LEBER LIEBER UNGEWÖHNLICH.
Apfel, Chili, Ingwer – wie die Leberwurst ein Comeback schaffen will.

DIE NÜRNBERGERPROZESSE.
EU-Gerichtshof überprüft Herkunftsbezeichungen von Wurstspezialitäten.

 



6 Kommentare zu “Es darf eine Schreibe mehr sein”

  1. Sigrid aus AT

    Gut geschriebener Artikel und gute Ideen für die neuen Überschriften. Kann ja auch mal mit Humor sein.

  2. xRai

    mein lieblingsblog…
    ein kleines fundstück:

    http://www.kulturserver-hildesheim.de/home/storch/outtakes.htm#wurst

  3. Christoph

    Hey,

    der Joscha hat auch Geschmack! Oder ist das geklaut? :)

    http://nichtlustig.de/toondb/111208.html

  4. Erik

    Darf ich ketzerisch anmerken, dass es hier schon lange nicht mehr um die Wurst gegangen ist?

  5. Vicky

    Dem möchte ich mich anschließen!

  6. Tim

    Ihr habt natürlich vollkommen Recht und ich schäme mich für die sträfliche Vernachlässigung der wurstigen Kunde. Allerdings sehe ich gerade, was meine zeitliche Belastung angeht, einen kleinen Sülzestreifen am Horizont. Geht bald weiter. versprochen.

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